Vom Winde verweht… – September 2026

Der Titel dieses romantischen Filmklassikers (1939)  wurde in Tamatave zum Ernstfall: am Nachmittag des 10.2.2026 traf der Zyklon Gezani direkt in der Hafenstadt auf Land und hinterliess eine Schneise von Verletzten, verwüsteten Häusern, Autos und Infrastruktur. Das Spital Bethany wurde auch betroffen, wovon Esther und Thomas berichten.

Um einen raschen Spitalbetrieb zu ermöglichen, entschlossen wir uns zu einer ungewöhnlichen Unterstützung: Die Spitalmitarbeiter erhielten einen Barbetrag ausbezahlt um rasch die persönlichen Wohnungen  zu reparieren und danach wieder im Spital zur Verfügung zu stehen. Von Gemeinden und privaten Spendern erhielten wir zusätzliche Mittel um das Spital rasch instand zu stellen. Dafür danken wir herzlich.

 

Anfangs Jahr wurde das Spital durch eine Pflegefachfrau aus Thun unterstützt. In einem persönlichen Erfahrungsbericht beschreibt sie ihre bleibenden Eindrücke.

Danke für ihr anhaltendes Interesse an unserer Tätigkeit in Madagaskar.

René Stouthandel

 

Mora, Mora – Pflegealltag in Madagaskar

Alles begann bereits im Jahr 2019. Zusammen mit zwei engen Freundinnen machte ich nach meiner Matura mehrere Hilfseinsätze in verschiedenen Schulen und Projekten in Madagaskar. Der Wunsch zu einem längeren Einsatz blieb.

Mit meinem Abschluss zur Pflegefachfrau FH und einigen Monaten Berufserfahrung machte ich mich erneut Richtung Tamatave auf und arbeitete für etwas mehr als zwei Monate im lokalen Bethany Hospital Center.

Obwohl mir von Anfang an bewusst war, dass sich die Arbeitsbedingungen in einem madagassischen Spital zu denen in Schweizer Spitälern deutlich unterscheiden, brauchte ich zu Beginn etwas Zeit, um mich an die dort herrschenden Bedingungen zu gewöhnen und ins Spitalteam zu integrieren.

Die Umsetzung von Hygieneregeln oder das Arbeitsverständnis der meisten Mitarbeitenden waren für mich nicht immer ganz einfach. Um die Handlungsabläufe und den Pflegealltag etwas besser verstehen zu lernen, war ich in der ersten Woche im Tandem mit einzelnen Fachpersonen unterwegs . Anhand der gesammelten Beobachtungen und Erfahrungen setzte ich gemeinsam mit Thomas Schwerpunkte, bei welchen wir realistische Veränderungsmöglichkeiten sahen.

Mein erstes Projekt war die Organisation und Einführung von stichfesten Abfallbehältern. Generell zeigten sich die Mitarbeitenden gegenüber Veränderungen sehr offen für neue Ideen und Sichtweisen.

Während der zweiten Hälfte meines Einsatzes entwickelte ich ein vereinfachtes Wundkonzept. Ich fand es sehr schön zu sehen, wie interessiert und motiviert die Mitarbeitenden bei den Schulungseinheiten waren, sich Notizen machten und Fragen stellten. Trotzdem war es schwierig, dass die geschulten Inhalte auch in der Praxis umgesetzt wurden. Mehrmalige Erinnerungen, Kontrollen und Erklärungen waren nötig um effektive Veränderungen im Alltag bewirken zu können.

Abschliessend kann ich sagen, dass mich die Zeit in Madagaskar in vielen verschiedenen Bereichen herausgefordert hat, ich aber dennoch sehr dankbar auf diese Zeit zurückschauen kann.

 Simea Lüthi, Dipl. Pflegefachfrau FH, Spital Thun

 

Infos aus Spital und Kinderklub

Bis Mitte Juli durften wir in der Schweiz wertvolle Zeit mit Freunden und Familie verbringen. Gleichzeitig konnten wir einiges für unseren letzten längeren Einsatz bis Juli 2027 vorbereiten. Zurück in Madagaskar fühlen wir uns mittlerweile zu Hause und in vertrauter Umgebung.

Spital: Wiederaufbau und neue Möglichkeiten

Für dieses letzte Einsatzjahr habe ich mir vorgenommen mich noch einmal voll zu engagieren, dranzubleiben und möglichst Dinge zu bewegen, die bisher auf der Pendenzenliste standen oder noch nicht gelungen waren. Die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Beteiligten im Spital ist oft herausfordernd und nicht alle sind gleich motiviert. Trotzdem möchte ich diese Zeit auch bewusst geniessen: Die Arbeit hier ist wertvoll, spannend und in vieler Hinsicht sehr befriedigend – das werde ich sicher noch vermissen.

Mitte Mai erhielten wir nach sechs Jahren endlich die offizielle Bewilligung, um Röntgenuntersuchungen durchzuführen. Bisher mussten wir diese mehr oder weniger «unter dem Radar» anbieten. Da wir nun auch über Kontrastmittel verfügen, können wir komplexere Untersuchungen durchführen. Die Röntgenuntersuchungen werden von uns Ärzten gemeinsam mit dem Pflegepersonal durchgeführt – eine kostengünstige Lösung, weil kein zusätzliches Personal angestellt werden muss. Zurzeit schulen wir deshalb unsere Assistenzärzte intensiv.

Sechs Monate nach dem Zyklon Gezani, der Tamatave und auch unser Spital schwer getroffen hat, ist bereits vieles repariert oder ersetzt worden: Das Dach ist neu und dicht, die Decken wurden renoviert, Strom- und Informatikkabel neu installiert und funktionieren grösstenteils wieder. Anderes fehlt weiterhin oder ist noch nicht funktionstüchtig. Improvisation ist deshalb noch immer an vielen Stellen gefragt. Umso mehr staunen wir, wie viel Zerstörtes wieder in Betrieb genommen werden konnte. Manches funktioniert heute sogar besser als vorher: Wir verfügen nun zuverlässig über sauberes Trinkwasser. Ein neuer Brunnen wurde gebohrt und zusätzlich zur Filteranlage konnte eine automatische Chlorieranlage installiert werden. Dank eines zweiten Generators ist auch die Stromversorgung wesentlich zuverlässiger.

Auch Dr. Fabruce und seine Familie konnten im Juni wieder in die vollständig restaurierte Dachwohnung des Spitals einziehen, nachdem sie fünf Monate in einem Provisorium leben mussten. Wir gönnen es ihnen von Herzen – für sie und viele Mitarbeitende war dies in vielerlei Hinsicht eine schwierige Zeit.

Kinderklub: Mehr Platz und ein grösseres Team

Unser Kinderklub ist gewachsen – und darüber freuen wir uns sehr! Das Team besteht inzwischen aus drei engagierten Frauen: Helenia als Leiterin, Lalatiana und neu auch Melanie.Mit viel Herzblut gestalten sie an drei Halbtagen pro Woche den Kinderklub und geben an vier Halbtagen Nachhilfeunterricht. An den übrigen drei Halbtagen bereiten sie die Lektionen sorgfältig vor. Meine Aufgabe besteht vor allem darin, die drei Frauen zu coachen und sie mit neuen Ideen zu unterstützen. Gemeinsam überlegen wir, wie wir die Arbeit mit den Kindern kreativ gestalten können. Besonders im Nachhilfeunterricht suchen wir nach spielerischen und pädagogisch sinnvollen Möglichkeiten, damit Mathematik und Französisch mit Freude und Motivation gelernt werden können. Leider hat der Zyklon auch im Kinderklub grosse Schäden angerichtet. Bereits 2 Wochen nach dem Sturm konnten die Kinder wieder in den Klub und zum Nachhilfeunterricht kommen. Vieles musste improvisiert werden, da zahlreiche Materialien durch das Wasser zerstört oder vom Wind davongetragen wurden und wir noch keine wirklich funktionellen Räumlichkeiten hatten. Doch gerade darin zeigen die Menschen in Madagaskar immer wieder ihre Stärke: Mit bewundernswerter Flexibilität, Kreativität und Zuversicht stehen sie auf und gehen weiter.

Dank des grossartigen Einsatzes des ganzen Teams und der Hilfe eines einheimischen Handwerkers konnten die grösseren Schäden behoben werden. So wurde beispielsweise das Buschhaus wieder aufgerichtet und die vom Sturm weggewehten Wellbleche ersetzt, die den Zwischenbereich vor Regen schützen.

Seit Anfang April können wir zusätzlich die zweite Haushälfte mieten. Dadurch hat sich vieles verbessert:  Die Kinder können nun in drei Gruppen aufgeteilt werden, jedes Kind hat einen vor Regen und Sonne geschützten Sitzplatz im Haus und die Möglichkeit, an einem Tisch zu arbeiten. Auch der Aussenbereich hat sich verdoppelt.Alles ist nach wie vor einfach und überschaubar. Doch wir sind überzeugt, dass es in dieser Grösse den drei engagierten Mitarbeiterinnen möglich sein wird, den Kinderklub und den Nachhilfeunterricht langfristig mit Freude und Qualität weiterzuführen. Das ist uns besonders wichtig, da wir im nächsten Jahr definitiv in die Schweiz zurückkehren und künftig nur noch für kürzere Einsätze nach Madagaskar – unserer zweiten geliebten Heimat – reisen werden.

Wir freuen uns sehr, dass Helenia mit Melanie, einer jungen Mutter, eine motivierte und engagierte Mitarbeiterin gefunden hat. Während unseres Aufenthalts in der Schweiz haben die drei Frauen den Kinderklub und den Nachhilfeunterricht selbstständig, verantwortungsbewusst und mit grossem Einsatz weitergeführt. Darauf bin ich unglaublich stolz.Nach unserer Rückkehr beschäftigten uns noch die Folgen des Zyklons. So konnten wir endlich die Zimmer neu streichen, da die Wände vor unserer Abreise in die Schweiz noch zu feucht waren. Ausserdem nahmen wir uns eine Woche Zeit für Rückblick, Ausblick und Weiterbildung. Diese gemeinsame Zeit war sehr wertvoll. Ich geniesse es sehr, mit Helenia, Melanie und Lalatiana, die sich momentan im Mutterschaftsurlaub befindet, unterwegs zu sein. Ich freue mich auf das letzte gemeinsame Jahr, in dem wir noch einmal intensiv zusammenarbeiten dürfen.

 

Herzlichen Dank

Wir sind sehr dankbar, dass wir das Spital und den Kinderklub wieder weitgehend in Betrieb nehmen konnten. Es erfüllt uns mit grosser Dankbarkeit und auch mit Staunen, dass beide Bereiche trotz der schweren Zerstörungen durch den Zyklon wieder fast wie zuvor funktionieren – auch dank eurer grosszügigen Hilfe.

Herzlichen Dank für eure Unterstützung!

Thomas und Esther Beck

 

 


Vorankündigung: ordentliche Mitgliederversammlung

Freitag 30.4.2027 (anstatt 9.4.2027) um 19.30 Uhr im Restaurant Burehuus, Thun

Herzliche Einladung für Vereinsmitglieder und Interessenten

 


Impressum / Kontakt

Herausgeber                    Verein Fokus Madagaskar, 3600 Thun |

Kontakt Madagaskar    beck.madagaskar@gmail.com

Lektorat, Layout            René Stouthandel, stouthandel@bluewin.ch

Spendenkonto                 Raiffeisenbank Gürbe, Kto. 30-4423-9, 3123 Belp
zugunsten Fokus Madagaskar, 3600 Thun, IBAN CH59 8080 8007 6594 2022 7